Der Energiesektor im Brennpunkt
Tom Medcalf, Vice President und leitender Investmentanalyst bei American Express Financial Advisors, Portfoliomanager für globale Energieaktien
Anleger, die in den Energiesektor investiert haben, waren im April und Anfang Mai vermutlich besorgt über die zukünftige Wertentwicklung ihrer Aktien. Die Gründe für ihre Besorgnis sind durchaus verständlich: Historisch gesehen leiden Aktien, wenn die Ölpreise niedrig sind. Und nachdem der Krieg gegen den Irak Anfang März begonnen hatte, sind die Rohölpreise von etwa 35 US-Dollar auf ungefähr 25 US-Dollar je Barrel gefallen. Interessanterweise scheinen Aktien des Energiesektors jedoch immun gegen sinkende Ölpreise zu sein. Der Dow Jones Energieindex ist im gleichen Zeitraum um rund 10 Punkte auf einen Stand von ca. 205 gestiegen. Eine derart unerwartete Entwicklung bekräftigt unsere Annahme, dass der Energiesektor ein positives Risiko/Rendite-Profil aufweist.
Im Mai haben sich die Preise zwar wieder erholt, doch wir rechnen damit, dass sich der Ölpreis 2003 bis 2004 zwischen 23 und 25 US-Dollar je Barrel bewegen wird, und damit auf einem Niveau, das wir für attraktiv genug halten, um Energieunternehmen zu kräftigen Gewinnen zu verhelfen. Zugegebenermaßen wird das typische Auf und Ab der Konjunkturzyklen die Preise irgendwann wieder nach unten drücken. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass der Ölpreis unter 20 US-Dollar je Barrel fallen wird, weil die einheitliche Vorgehensweise der OPEC während der letzten vier Jahre einem weiteren Rückgang der Ölpreise Einhalt gebieten dürfte. Darüber hinaus wird die Versorgungslage bei Erdgas in den USA voraussichtlich weiter angespannt bleiben. Während Bohrfirmen sich schwer tun, neue Erdgasvorkommen zu entdecken, wächst die Nachfrage weiter, da mit Erdgas immer mehr Elektrizität erzeugt wird.
Ganz allgemein gesehen hat sich die Bohrtätigkeit in den letzten Monaten verbessert und in Nordamerika hat die Erdgasförderung merklich zugenommen. In den Rocky Mountains dürfte die Bohrtätigkeit dank des Ausbaus der Kern-River-Pipeline am 1. Mai anziehen. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass auch die Erdgasförderung außerhalb Nordamerikas zunimmt. Letzte Woche hat die Zahl der internationalen Bohranlagen von Baker Hughes den höchsten Stand seit Juni 1998 erreicht. Wir rechnen zudem damit, dass der US-Kongress ein Energiegesetz verabschieden wird, das Steuervergünstigungen und andere Maßnahmen beinhaltet, die der Bohrtätigkeit zugute kommen werden.
Der Fonds schaut sich derzeit nach Unternehmen mit vernünftigen Bewertungen und Kurs-Gewinn-Verhältnissen um, die Wachstumspotenzial aufweisen. Unter den Öldienstleistungsunternehmen konzentrieren wir uns diejenigen, die in technologischer Hinsicht führend sind. Darüber hinaus gefallen uns Aktien von Explorations- und Produktionsgesellschaften, und zwar vor allem solchen, die sich auf den Ausbau der Produktion konzentrieren. Der Fonds bevorzugt Unternehmen, die einen kräftigen freien Cashflow erzielen können, eine disziplinierte Finanzstrategie verfolgen und sich die Veräußerung von Anlagen durch andere größere Ölgesellschaften aktiv zunutze machen.


