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Des Reisenden Freud, des Hoteliers Leid: sinkende Preise und schwache Belegung

Traditioneller Jahresanfangsboom ist in Europa ausgefallen · Deutschland verzeichnet entgegen dem Trend Preissteigerungen

Frankfurt, 2. Juli 2003: Sinkende Preise und schwache Belegungsraten anstelle des sonst üblichen Booms zum Jahresanfang: Für die Hotelbranche stand der Start ins Jahr 2003 unter keinem guten Stern. Dies geht aus der neuesten Ausgabe des American Express Corporate Travel Index (ECTI) hervor, der vierteljährlich die Entwicklung der Hotelpreise in Europa analysiert. Im Vergleich zum letzten Quartal 2002 sanken die durchschnittlichen Hotelpreise in Europa über alle Kategorien hinweg um 3,6 %. Am standhaftesten zeigte sich dabei die günstigste Kategorie, die Budget Hotels, deren Preise nur um 2,3% nachgaben. Hotels der Luxuskategorie sind 2,7% billiger als im letzten Quartal 2002, während die Preise von Hotels der niedrigen und mittleren Kategorie um 4,5% und Hotels der gehobenen Kategorie um 3,9% sanken.*

Deutschland ist neben Schweden das einzige Land in Europa, in dem die durchschnittlichen Hotelpreise im Vergleich zum vierten Quartal 2002 leicht gestiegen sind: Über alle Kategorien hinweg lag die Steigerung bei 1,2 %. Vor allem die Preise der Low Budget Hotels stiegen kräftig um 4,8 %. Aber auch die Hotels der niedrigen und der teuersten Kategorie waren teuerer als im letzten Quartal (+0,9% bzw. +1,6 %). Lediglich die Hotels der mittleren und gehobenen Kategorie waren um 0,8% bzw. 0,4% günstiger. Damit koppelt sich Deutschland teilweise vom europäischen Trend ab.

Belegungsraten gehen weiter zurück Außer den sinkenden Preisen enttäuschte im ersten Quartal 2003 auch die Auslastung der europäischen Hotels. Schon Ende 2002 waren die Belegungsraten mit durchschnittlich 63% um 3,3% niedriger ausgefallen als im Jahre 2001. Dieser Trend setzte sich auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres fort. Besonders Berlin hat über das Jahr 2002 hinweg viele Übernachtungsgäste verloren: Die Belegungsrate sank um 9% auf durchschnittlich 62 %. In London und Paris sank sie um 7% auf 75% bzw. 73 %. Die Hotels in Nordamerika starteten in diesem Jahr mit einer Belegungsrate von 59 %, also 1% weniger als Anfang 2002.

"Das erste Quartal eines Jahres bringt normalerweise gute Geschäfte für die Hotels, weil nach der Weihnachtszeit die Geschäftsreisetätigkeit der Unternehmen wieder auflebt. Vor diesem Hintergrund war das Jahr 2003 bislang enttäuschend für die Branche - mit weiter fallenden Belegungsraten. Das liegt zum einen an der wirtschaftlichen Situation, zum anderen auch daran, dass Ostern in diesem Jahr so spät lag und damit das Feiertagsgeschäft erst ins zweite Quartal fällt", sagt Kaveh Atrak, General Manager und Vice President für American Express Corporate Travel in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Griechenland.

Wieder sinkende Preise in Europa
Ebenso wie die Belegungsraten liegen auch die Preise der europäischen Hotels derzeit niedriger als 2002. Im Quartalsvergleich sanken sie um durchschnittlich 3,6 %. "Mit der erhöhten Reisetätigkeit Anfang des Jahres steigen normalerweise auch die Hotelpreise. In diesem Jahr haben sich die Hoteliers zurückgehalten - sie warten ab, wie sich die wirtschaftliche und politische Lage entwickelt", erläutert Kaveh Atrak.

Die europäischen Hotels spiegeln die aktuelle Situation in Nordamerika wider. Die Preise dort werden allgemein als Stimmungsbarometer für den weltweiten Hotelmarkt betrachtet. Dementsprechend ähnlich ist die Entwicklung beider Märkte. In Nordamerika fielen die durchschnittlichen Preise im Vergleich zum letzten Quartal um 3,8% (Europa: 3,6 %). Wie in Europa verzeichneten auch in Nordamerika die Budget Hotels den geringsten Preisverfall (-2,1 %). Auch Hotels der Premium Kategorie gaben nur um 2,7% nach, während das Übernachten in Hotels der unteren, mittleren und gehobenen Kategorie in diesem Quartal 3,9 %, 4,3% bzw. 6% billiger war als im letzten Quartal 2003.


Preisentwicklung im Quartalsvergleich nach Region und Kategorie

Budget Kategorie Untere Kategorie Mittlere Kategorie Gehobene Kategorie Premium Kategorie Durchschnitt für alle Kategorien
Europa -2,3% -4,5% -4,5% -3,9% -2,7% -3,6%
Nordamerika -2,1% -3,9% -4,3% -6,0% -2,7% -3,8%


Außer Deutschland und Schweden verzeichneten alle europäischen Länder starken Preisverfall. Am stärksten sanken die Preise in den Niederlanden mit durchschnittlich 12,6 %. Anders als im europäischen Durchschnitt wurden vor allem die Budget Hotels sehr viel billiger (um 15,8 %). Auch in Großbritannien haben die Preise stark nachgegeben (-7,1 %). Dort waren vor allem die Hotels der niedrigen Kategorie betroffen (-12,0 %).

"Im Flugbereich konnten die Low Cost Carrier am meisten zulegen, die sowohl Geschäftsreisende als auch Urlauber ansprechen. Im Hotelbereich sieht es anders aus: Die sinkenden Belegungsraten treffen alle Kategorien gleichermaßen. Zwar versuchen Firmen stets, die Übernachtung so günstig wie möglich zu bekommen. Trotzdem gehen sie nicht unbedingt in Hotels mit niedrigeren Kategorien. Die Wahl des Hotels ist immer noch vor allem durch die Lage bestimmt, nicht alleine durch die Kosten. Ein Beleg dafür ist die Tatsache, dass die durchschnittlichen Preise aller Hotelkategorien gesunken sind", sagt Kaveh Atrak.


Preisentwicklung im Quartalsvergleich nach Region und Kategorie

Budget Kategorie Untere Kategorie Mittlere Kategorie Gehobene Kategorie Premium Kategorie Durchschnitt für alle Kategorien
Deutschland -4,8% 0,9% -0,8% -0,4% 1,6% 1,2%
Frankreich -0,7% -3,8% -3,8% -5,9% -8,0% -4,4%
Großbritannien -7,7% -12,0% -8,2% -4,3% -3,3% -7,1%
Italien -8,8% -6,9% --6,0% -6,7% -0,9% -5,9%
Niederlande -15,8% -14,5% -11,5% -13,1% -8,3% -12,6%
Schweden 0,4% 5,9% 2,5% 8,8% 11,3% 5,8%
Spanien -0,1% -4,9% -5,8% -6,5% -7,9% -5,0%


In Asien und Australien sanken die Preise im Budget Bereich um 5,2 %, in der niedrigen Kategorie um 4,7 %, in der mittleren Kategorie um 8,7 %, in der gehobenen Kategorie um 7,3% und in der Premium Kategorie um 6,6 %. Ähnlich sah der Rückgang in Hongkong aus, wobei sich dort auch die Auswirkungen des SARS-Virus bemerkbar machten. Der Preisrückgang lag zwischen 1,8% bei Budget Hotels und 12,2% bei Hotels der gehobenen Kategorie.

Wettkampf um den besten Standort
Weil Geschäftsreisende bei der Hotelauswahl vor allem vom Standort ausgehen, ist unter den Hotels ein Wettkampf um die besten Plätze entbrannt. Auch mit Übernahmen und Fusionen versuchen die Hotelketten, Lücken zu schließen und sich die besten Adressen zu sichern. "Im ersten Quartal 2003 ging der Trend ganz klar dahin, die Anzahl der Zimmer zu erhöhen, vor allem durch den Zukauf von neuen Gebäuden - damit wollen die Hotelgruppen einerseits durch Größenvorteile Geld sparen, andererseits auf die Anforderungen der Kunden eingehen", sagt Kaveh Atrak.

Außer guten Adressen bieten solche Zukäufe meist moderne Technologie. Technologie auf dem neuesten Stand ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für Geschäftsreisende geworden. Viele Hotels haben erkannt, dass sich durch Zukäufe die Kosten für Technik reduzieren lassen. Denn die bestehende Technik, wie zum Beispiel Online-Reservierungssysteme, kann günstiger an jedes einzelne Hotel weitergegeben werden.

Waren bislang häufig nur die Geschäftsreisezentren der Hotels mit moderner Technologie ausgerüstet, findet sie sich inzwischen vielfach auch in den Zimmern selbst. Atrak dazu: "Mit schnellen Internetzugängen, Fax und Druckern in den Zimmern antworten die Hotels auf das steigende Interesse der Geschäftsreisenden."

Unabhängig von Low Cost Carriern
Das Interesse an guten Standorten beschränkt sich nicht nur auf London. Einige Hotels haben sich durch eine geschickte Standortpolitik von dem weltweiten Einbruch bei Geschäftsreisen teilweise abgekoppelt. Dennoch sind die meisten Hotels zu vorsichtig, um Ziele von Low Cost Carriern zu ihren Standorten zu machen - aus Angst vor einer Veränderung dieser Flugziele. Stattdessen setzen sie auf wachsende und zukunftsfähige Standorte, die nicht direkt vom Erfolg der Low Cost Carrier abhängen.

Das Wichtigste für die Hotels ist eine gute Selbstvermarktung, so Atrak: "Um heute Erfolg zu haben, müssen die Hotels den Geschäftsreisenden mit speziellen Aktionen oder maßgeschneiderten Bonusprogrammen entgegenkommen. Dazu gehören auch Upgradings sowie Rabatte zum Beispiel für die Nutzung von Konferenzräumen."



* Seit dem ersten Quartal 2003 unterteilt der ECTI nicht mehr wie bisher in drei Hotelkategorien, sondern in fünf: Budget, niedrige, mittlere, gehobene und Premium Kategorie.
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